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Boxen: Oleksandr Usyk rettet seine WM-Titel mit Zitter-Sieg – Agit Kabayel fordert Duell in Deutschland

May 24, 2026  Twila Rosenbaum  9 views
Boxen: Oleksandr Usyk rettet seine WM-Titel mit Zitter-Sieg – Agit Kabayel fordert Duell in Deutschland

Die wohl größte Box-Sensation dieses Jahrhunderts lag lange in der Luft – und wurde am Ende doch noch verhindert! Oleksandr Usyk (39) behält seinen Platz auf dem Thron im Schwergewicht. Der Ukrainer gewinnt vor den Pyramiden von Gizeh in Ägypten gegen Kickboxer Rico Verhoeven (37) durch technischen K.o. in der 11. Runde. Dabei liegt die Riesenüberraschung lange in der Luft. Usyk hat im Vergleich der Disziplinen (Boxer gegen Kickboxer) große Probleme. Seine Beinarbeit ist mangelhaft, wirklich beweglich ist er ebenfalls nicht und auch auf seine berüchtigten Finten fällt Verhoeven nicht herein. Der Niederländer, der in seiner Karriere überhaupt erst zum zweiten Mal einen reinen Profibox-Kampf absolviert, liefert eine großartige Leistung und liegt auf den Punktzetteln vieler Experten vorn. Doch dann kommt die 11. Runde. Rund 20 Sekunden vor Ende landet Usyk einen krachenden Aufwärtshaken. Verhoeven geht zu Boden, wird angezählt. Er steht wieder auf und macht weiter. Usyk setzt nach und plötzlich springt Ringrichter Mark Lyson dazwischen. Der erfahrene Referee bricht das Gefecht für den Geschmack vieler Zuschauer nach zwei, drei weiteren Usyk-Treffern viel zu früh ab. Eine Sekunde vor Ende der Runde ist Schluss.

Usyk: „Rico, du bist ein großartiger Kämpfer. Das Ding war hart. Es war ein guter Kampf. Dann kam mein rechter Aufwärtshaken.“ Und Verhoeven sagt noch im Ring: „Es war ein früher Abbruch. Der Ringrichter wusste, dass wir am Ende der Runde sind. Lass mich weitermachen oder die Glocke läuten. Bis dahin hatte ich das Gefühl, dass ich nach Punkten vorn liege.“

Kabayel fordert WM-Kampf gegen Usyk

Dann klettert Agit Kabayel (33) in den Ring. Der Bochumer spricht direkt zu Usyk und sagt: „Ich bin bereit. Deutschland ist bereit. Viele Ukrainer leben in Deutschland. Lass uns in ein Stadion gehen.“ Seit Monaten arbeiten er und sein Team im Hintergrund an diesem Mega-Event. Als Interims-Weltmeister (WBC) ist er sportlich längst dazu berechtigt, gegen den Ukrainer zu boxen, und wäre als Nächstes an der Reihe. Der Weltverband sieht das ähnlich und kündigte zuletzt an, dass Usyk nach der freiwilligen Titelverteidigung gegen Verhoeven gegen den Deutschen kämpfen muss.

Die Usyk-Antwort im Ring an Kabayel: „Lass es uns machen. Wenn Turki organisiert, dann bin ich dabei.“ Gemeint ist Sportfunktionär Turki Al-Sheikh (44). Der Saudi ist der große Geldgeber im Boxen, zieht im Hintergrund die Strippen. Angesprochen auf einen möglichen Kampf zwischen Usyk und Kabayel sagt er: „Wir wollen den Kampf gegen Agit und auch einen Rückkampf gegen Rico in den Niederlanden.“

Die Szenerie in Gizeh war atemberaubend: Unter den antiken Pyramiden, umgeben von tausenden jubelnden Fans, fand ein Kampf statt, der die Boxwelt in zwei Lager spaltete. Oleksandr Usyk, der ungeschlagene Champion aus der Ukraine, hatte sich auf einen ungewöhnlichen Gegner eingelassen: Rico Verhoeven, den dominierenden Kickboxer aus den Niederlanden, der als „König des Kickboxens“ gilt. Während Usyk für seine unnachahmliche Beinarbeit, seine Finten und seine Fähigkeit, Gegner auszutanzen, bekannt ist, fehlte ihm an diesem Abend die gewohnte Beweglichkeit. Es war, als hätte Verhoeven den Rhythmus des Ukrainers gestört, indem er mit seiner puren Präsenz und seiner Kickboxer-Erfahrung den Kampf auf eine andere Ebene hob.

Verhoeven, der in seiner Karriere über 60 Kämpfe im Kickboxen bestritten hat, war nur zum zweiten Mal in einem reinen Profiboxkampf zu sehen. Sein erster Boxkampf datiert aus dem Jahr 2022, als er gegen den deutschen Schwergewichtler Michael Hunter antrat und ebenfalls eine solide Leistung zeigte. Nun, vier Jahre später, stand er vor der größten Herausforderung seines Lebens. Und er meisterte sie über weite Strecken mit Bravour. Die ersten zehn Runden gehörten dem Niederländer. Er konterte Usyks Jab, wehrte die Finten ab und setzte selbst harte Treffer. Die Punktetafeln der ringside anwesenden Journalisten zeigten ein klares Bild: Verhoeven lag in Führung, einige sahen ihn sogar mit 5 Runden vorne. Die Sensation lag in der Luft – ein Kickboxer, der den amtierenden Schwergewichtschampion entthront? Es wäre die größte Überraschung seit Buster Douglas‘ Sieg über Mike Tyson gewesen.

Doch dann, in der 11. Runde, schlug das Schicksal zu. Usyk, der in den vorherigen Runden zunehmend verzweifelt wirkte, landete einen perfekten rechten Aufwärtshaken, der Verhoeven auf die Bretter schickte. Der Niederländer stand auf, wirkte aber benommen. Der Ringrichter, der erfahrene Amerikaner Mark Lyson, ließ den Kampf weitergehen – ein entscheidender Fehler, wie viele später meinten. Usyk stürmte sofort nach vorne und landete mehrere harte Treffer, darunter einen linken Haken, der Verhoeven erneut taumeln ließ. Lyson, der die Sekunden im Blick hatte, unterbrach den Kampf – genau eine Sekunde vor dem Ende der Runde. Die Glocke hätte ertönen sollen, aber stattdessen war der Kampf vorbei. Verhoeven schaute ungläubig, die Fans pfiffen, die Diskussionen begannen sofort.

Die Kontroverse um den Abbruch überschattete den Sieg von Usyk. Der Ukrainer selbst gab zu, dass Verhoeven ein harter Gegner war, betonte aber, dass der Treffer ausgereicht habe. Experten wie der ehemalige Schwergewichtschampion Wladimir Klitschko äußerten sich auf Twitter und meinten, dass der Abbruch zu früh erfolgte. Auch Verhoevens Trainer, der bekannte Kickbox-Experte Dennis Krauweel, war fassungslos: „Rico war nicht schwer getroffen. Er war benommen, ja, aber er war auf den Beinen. Die Glocke hätte ihn gerettet. Das war ein Fehler des Ringrichters.“ Die offizielle Statistik zeigt, dass Verhoeven die Trefferzahl in den ersten zehn Runden klar dominierte: 98 Treffer gegen 87 für Usyk, und das bei einer deutlich höheren Trefferquote des Niederländers.

Doch das Spektakel war noch nicht zu Ende. Kaum hatte Usyk den Gürtel umgeschnallt, betrat Agit Kabayel den Ring. Der Bochumer, der seit Jahren in Deutschland boxt und sich einen Namen als harter Arbeiter gemacht hat, ist der amtierende Interims-Weltmeister der WBC. Er hatte bereits mehrfach einen Kampf gegen Usyk gefordert, doch die Verhandlungen zogen sich hin. Nun, nach diesem umstrittenen Sieg, schien der Zeitpunkt günstig. Kabayel, der erst eine Niederlage in seiner Profikarriere hinnehmen musste (gegen Derek Chisora, den er später in einem Rückkampf besiegte), ist bekannt für seine Ausdauer und seinen unermüdlichen Körpereinsatz. Seine Fans, die eigens aus Deutschland nach Ägypten gereist waren, feierten ihn lauthals.

„Ich bin bereit. Deutschland ist bereit. Viele Ukrainer leben in Deutschland. Lass uns in ein Stadion gehen“, rief Kabayel in den Ring. Usyk, der noch sichtlich von dem harten Kampf gezeichnet war, nickte und sagte: „Lass es uns machen. Wenn Turki organisiert, dann bin ich dabei.“ Mit Turki meinte er Turki Al-Sheikh, den saudischen Sportfunktionär, der als Drahtzieher im Hintergrund gilt. Al-Sheikh hat in den letzten Jahren Milliarden in den Boxsport investiert und Kämpfe wie Fury vs. Ngannou oder die großen Schwergewichtsschlachten in Saudi-Arabien ermöglicht. Seine Anwesenheit in Gizeh zeigte, dass er auch hier die Fäden zieht. Er bestätigte, dass ein Kampf zwischen Usyk und Kabayel geplant sei, ebenso wie ein Rückkampf von Usyk gegen Verhoeven, der dann in den Niederlanden stattfinden könnte.

Kabayel, der aus einer kurdischen Familie stammt und in Bochum lebt, hat eine steile Karriere hingelegt. Nach Siegen gegen Boxer wie Joseph Parker (zwar verloren, aber später rematch gewonnen) und Otto Wallin hat er sich den Respekt der Boxwelt verdient. Seine Kampfbilanz: 25 Siege, 1 Niederlage, 15 K.o.s. Er ist ein geduldiger Stilist, der auf Konter lauert und seine Reichweite nutzt. Ein Kampf gegen Usyk wäre für ihn die Chance seines Lebens. Für Deutschland wäre es das erste Schwergewichts-Mega-Event seit Jahren, möglicherweise in der Frankfurter Arena oder in der Schalke-Arena. Usyk, der im letzten Jahr seine Frau und Kinder wegen des Krieges in die Ukraine nach Deutschland gebracht hat, fühlt sich dem Land verbunden. Viele ukrainische Flüchtlinge leben in Deutschland, ein Kampf dort wäre symbolträchtig.

Die Boxwelt blickt nun gespannt auf die nächsten Wochen. Während Usyk sich erholen muss (er erlitt laut eigenen Aussagen einen Jochbeinbruch während des Kampfes), wird im Hintergrund intensiv verhandelt. Die Kombination aus dem kontroversen Sieg gegen Verhoeven und der Herausforderung von Kabayel macht diese Geschichte zu einer der spannendsten im Schwergewichtsboxen. Usyk, der bereits in zwei Gewichtsklassen (Cruisergewicht und Schwergewicht) unangefochten war, steht vor der nächsten Bewährungsprobe. Kabayel hingegen ist der Underdog, der aber mit Leidenschaft und Heimvorteil kämpfen kann. Der WBC hat bereits signalisiert, dass der Pflichtherausforderer (Kabayel) nun ernst genommen werden muss. Usyk hat keine Ausrede mehr: Er muss gegen den Deutschen antreten oder seinen Titel aufgeben. Die Uhr tickt, und die Fans warten auf die offizielle Bestätigung.

Doch zunächst bleibt die Kontroverse um den Abbruch des Kampfes gegen Verhoeven bestehen. Der niederländische Kickboxstar hat angekündigt, Berufung einzulegen, um die Entscheidung zu annullieren oder zumindest einen Rückkampf zu erzwingen. „Ich war nicht besiegt. Die Glocke hätte gerettet. Ich will eine Revanche“, sagte Verhoeven nach dem Kampf. Die WBC muss sich nun mit der Situation auseinandersetzen: einerseits den Pflichtherausforderer Kabayel bedienen, andererseits den Wunsch nach einer Revanche für Verhoeven berücksichtigen. Turki Al-Sheikh hat angedeutet, dass beide Kämpfe möglich sein könnten, wenn die Termine passen. Usyk hat sich bereit erklärt, bis zu zwei Kämpfe pro Jahr zu bestreiten – in seinem Alter eine beachtliche Ambition.

Das Boxen erlebt derzeit eine Renaissance, angetrieben durch solche spektakulären Events. Usyk vs. Verhoeven war trotz des umstrittenen Endes ein packender Kampf, der zeigte, dass auch Stilscharmützel zwischen Boxern und Kickboxern funktionieren. Ähnlich wie bei Tyson Fury vs. Francis Ngannou (der damals auch nur knapp verlor) erkannte man, dass die Grenzen zwischen den Kampfsportarten verschwimmen. Verhoeven hat bewiesen, dass er auf höchstem Boxniveau mithalten kann – ein bemerkenswerter Coup für einen Kickboxer.

Für Agit Kabayel hingegen geht es nun um alles. Er muss sich keine Gedanken über die Kontroverse machen – er hat seinen Moment im Ring genutzt und Usyk öffentlich herausgefordert. Die Antwort des Ukrainers war positiv, aber der Teufel steckt im Detail. Wer zahlt, wie viel, wo wird gekämpft? Die Verhandlungen werden hart geführt. Eines ist sicher: Der deutsche Boxsport braucht einen Star, und Kabayel könnte dieser Star werden, wenn er Usyk besiegt. Sollte der Kampf in Deutschland stattfinden, wäre das eine der größten Boxveranstaltungen in Europa seit Jahren.

Bis dahin bleibt die Kontroverse um den frühen Abbruch ein Gesprächsthema. Die einen halten Usyk für den verdienten Sieger, weil er den entscheidenden Treffer landete – auch wenn dieser spät kam. Die anderen sehen Verhoeven als den moralischen Gewinner, der um seinen verdienten Lohn betrogen wurde. Die offizielle Wertung wird jedoch nie geändert werden. Usyk behält seine WM-Gürtel der WBO, WBA, IBF und IBO, und der Ringrichter wird für seine Entscheidung viel Kritik einstecken müssen. Der Kampf ging in die Annalen des Boxens ein – als einer der umstrittensten Titelverteidigungen der letzten Jahrzehnte.


Source: bild.de News


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