Adele Neuhauser im ZDF-Zweiteiler: Vom „Tatort“-Star zur Gefangenen
Wien – Seit 15 Jahren verkörpert Adele Neuhauser (67) die beliebte Ermittlerin Bibi im „Tatort“ aus Wien. Die Fans lieben ihre coole Art und ihr Gespür für Gerechtigkeit. Doch nun zeigt die österreichische Schauspielerin eine völlig neue Seite: Im ZDF-Zweiteiler „Mama ist die Best(i)e“ (Montag, 20.15 Uhr) schlüpft sie in die Rolle der verurteilten Mörderin Gloria Almeda. Eine Rolle, die weit entfernt ist von den moralisch einwandfreien Ermittlern, die sie so lange geprägt hat.
Die Handlung: Gloria, einst steinreiche Society-Lady, sitzt im Gefängnis – verurteilt für den Mord an ihrem Ehemann Viktor. Doch sie beteuert ihre Unschuld. Nach ihrer Entlassung kehrt sie mit einer elektronischen Fußfessel in ihr eigenes Schloss zurück und beginnt, ihre Familie zu verdächtigen. Denn Viktor war ein Despot, den wirklich jeder hasste – Kinder, Verwandte, Angestellte. Alle hatten ein Motiv. Gloria ist entschlossen, den wahren Täter zu finden, und geht dabei gnadenlos vor.
Neuhauser beschreibt ihre Figur als „wunderbar schrullig“ und als „Bestie in der Vergangenheit, die nach der Haft die Chance hat, die Beste zu werden“. Diese Ambivalenz fasziniert die Schauspielerin. „Hand aufs Herz: Die Gloria-Charaktereigenschaften sind mir privat fremd. Aber sie regen durchaus meine Fantasie an“, erklärt sie. Die dunklen Seiten der Geschichte – Intrigen, Verrat, Geldgier – seien ein toxischer Mix, der sie reize. Für Neuhauser ist der Zweiteiler wie ein Krimi-Spiel „Cluedo“, bei dem jeder der Mörder sein könnte.
Hintergrund: Adele Neuhausers Karriere
Adele Neuhauser wurde am 17. Januar 1959 in Athen geboren, wuchs aber in Wien auf. Ihre Schauspielkarriere begann sie am Theater, bevor sie im Fernsehen bekannt wurde. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihre Rolle als Inspektorin Bibi Fellner im Wiener „Tatort“, den sie seit 2006 gemeinsam mit Harald Krassnitzer (als Moritz Eisner) spielt. Die Reihe zählt zu den erfolgreichsten des deutschen Krimis, und Neuhauser wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis. Doch 2025 gab sie bekannt, dass sie den „Tatort“ nach 15 Jahren verlassen wird – eine Entscheidung, die sie aus freien Stücken traf. „Ich möchte mich neuen Herausforderungen widmen“, sagte sie damals. Der Zweiteiler „Mama ist die Best(i)e“ ist einer dieser Schritte ins Neuland.
Die Schauspielerin hat sich immer wieder als wandlungsfähig erwiesen. Neben Krimis spielte sie auch in Komödien und Dramen. Besonders schätzt sie Rollen, die ihr erlauben, die dunklen Abgründe menschlicher Natur zu erkunden. Im Gespräch mit BILD betonte sie: „Ich liebe es, wenn eine Figur nicht nur gut oder böse ist, sondern beides in sich vereint. Gloria ist genau das: Eine Frau, die aus Not zu extremen Mitteln greift, aber dennoch eine gewisse Verletzlichkeit zeigt.“
Die Handlung von „Mama ist die Best(i)e“
Der Zweiteiler spielt auf einem abgelegenen Schloss in Österreich, das Gloria nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis bewohnt. Die Familie hat sich nach Viktors Tod zerstritten, und jeder scheint etwas zu verbergen. Glorias Kinder – ein erfolgreicher Geschäftsmann und eine etwas naive Tochter – misstrauen ihr. Auch die Schwester des Verstorbenen taucht auf und verdächtigt Gloria. Unterdessen versucht Gloria, mit Hilfe ihrer ehemaligen Mithäftlinge – der gewalttätigen Maria (gespielt von Edita Malovčić) und der klugen Henny (Lara Mandoki) – die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die drei Frauen haben unterschiedliche Motive, und die Dynamik zwischen ihnen sorgt für spannende Wendungen.
Neuhauser lobt die schwarze Komödie als „erfrischend anders“. Anders als klassische Krimis, in denen die Ermittler stets die Guten sind, steht hier die vermeintliche Täterin im Mittelpunkt. Der Zuschauer wird mit ihrer Perspektive konfrontiert und fragt sich: Ist Gloria wirklich schuldig? Oder nur das Opfer einer Intrige? Die Inszenierung nutzt diese Unsicherheit geschickt aus und lässt die Zuschauer mitfiebern.
Neue Rollen nach dem „Tatort“-Aus
Für Neuhauser bedeutet der Zweiteiler einen Neuanfang. Nach dem freiwilligen Abschied vom „Tatort“ hat sie mehr Zeit für andere Projekte. Sie plant, sich künftig auf Rollen mit moralischer Ambivalenz zu konzentrieren. „Es gibt so viele interessante Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden. Ich möchte nicht nur die Heldin spielen, sondern auch die Frau, die Fehler macht und sich irrt.“ Dazu gehören auch die dunklen Seiten des Lebens: „Intrigen, Verrat, Geldgier – das sind Themen, die mich faszinieren, weil sie so menschlich sind.“
Auch privat legt Neuhauser den Fokus neu. Sie ist stolze Großmutter zweier Enkelkinder und möchte sich mehr Zeit für die Familie nehmen. „Die Rolle als Oma ist für mich die wichtigste im Leben“, sagt sie. Doch sie betont, dass die Schauspielerei weiterhin eine Leidenschaft bleibt. „Ich werde nicht aufhören, aber ich wähle bewusster aus.“
Was würde Neuhauser ins Gefängnis mitnehmen?
Auf die Frage, was sie selbst mit in den Knast nehmen würde, antwortet sie konkret: „Das Buch von Dimitré Dinev, `Zeit der Mutigen’.“ Ein Bestseller über die Kernfrage: Was macht den Menschen aus? Wie übersteht er Jahre der Unterdrückung und Gewalt? Dazu einen angenehmen Pyjama und einen guten „Polster“ – das österreichische Wort für Kissen. Diese Antwort zeigt ihre pragmatische und dennoch tiefgründige Art. Sie möchte im Gefängnis nicht nur überleben, sondern auch wachsen.
Der Film „Mama ist die Best(i)e“ ist nicht nur ein Kriminalfall, sondern auch eine schwarze Komödie über Familiengeheimnisse, Macht und Vergeltung. Adele Neuhauser spielt die Rolle mit sichtlicher Freude an der Boshaftigkeit, ohne dabei die menschliche Seite zu vernachlässigen. Am Montag werden Millionen Zuschauer sie in dieser neuen Rolle sehen – und vielleicht eine Seite an ihr entdecken, die sie bisher nicht kannten.
Der Zweiteiler läuft am Montag um 20.15 Uhr im ZDF. Wiederholungen sind in der Mediathek verfügbar. Die Besetzung umfasst neben Neuhauser auch Harald Krassnitzer in einer kleinen Gastrolle sowie Edita Malovčić, Lara Mandoki und weitere bekannte Gesichter. Der Regisseur, Markus Imboden, hat bereits mehrere erfolgreiche Krimis inszeniert und betont, dass der Film bewusst mit den Erwartungen des Publikums spielt: „Es geht darum, Vorurteile zu hinterfragen. Ist eine verurteilte Mörderin automatisch böse? Oder kann sie auch das Opfer sein?“ Für Neuhauser ist diese Frage der Kern der Geschichte: „Gloria gibt uns die Chance, über Schuld und Unschuld nachzudenken. Und dabei können wir auch über uns selbst lachen.“
Adele Neuhauser hat mit dieser Rolle bewiesen, dass sie mehr kann als nur die Ermittlerin. Ihre schauspielerische Bandbreite reicht von komödiantisch bis tief dramatisch. Der Zweiteiler ist ein gelungener Beweis dafür, dass sie auch ohne „Tatort“ weiterhin eine feste Größe im deutschen Fernsehen sein wird.
Source: bild.de News