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Den Zeugen Gretas ist die Wissenschaft egal

May 20, 2026  Twila Rosenbaum  3 views
Den Zeugen Gretas ist die Wissenschaft egal

Der Weltklimarat (IPCC) hat das als Horrorszenario bekannte Klimamodell RCP8.5 offiziell zurückgezogen. Dieses Modell prognostizierte einen Temperaturanstieg von fast fünf Grad bis zum Ende des Jahrhunderts und diente vielen Regierungen als Grundlage für besonders drastische Klimaschutzmaßnahmen. Doch die zugrunde liegenden Annahmen erwiesen sich als zu pessimistisch: Der CO₂-Gehalt in der Atmosphäre steigt langsamer als erwartet, unter anderem wegen des Booms erneuerbarer Energien und der Kernkraft.

Das Szenario RCP8.5 galt lange als das Doomsday-Szenario der Klimaforschung. Es sah vor, dass die globale Durchschnittstemperatur um bis zu 4,8 Grad ansteigt, was zu verheerenden Folgen wie Massenmigration, wirtschaftlichen Schäden in Billionenhöhe und einem Zusammenbruch von Ökosystemen geführt hätte. Nun hat der IPCC eingeräumt, dass diese Entwicklung extrem unwahrscheinlich ist. Stattdessen gilt das Szenario RCP4.5 mit einem Anstieg um etwa drei Grad als wahrscheinlicher. Auch dies ist erheblich, aber kein Weltuntergang.

Deutsche Klimapolitik auf dem Prüfstand

Besonders in Deutschland und der Europäischen Union beruhen weite Teile der Klimapolitik auf den Annahmen des RCP8.5-Szenarios. Dazu gehören die Senkung des Energieverbrauchs um 26,5 Prozent bis 2030 sowie die Reduzierung der CO₂-Emissionen auf null bis 2050, in Deutschland sogar bis 2045. Diese Maßnahmen haben erhebliche wirtschaftliche Kosten verursacht, das Wachstum gebremst und teilweise den Aufstieg populistischer Parteien wie der AfD befördert.

Kritiker argumentieren, dass nun eine Revision dieser Politik möglich sei. Klimaschutz müsse zwar ein wichtiges Ziel bleiben, aber nicht mehr der absolute Primat, dem alles andere untergeordnet wird. Die ursprüngliche Argumentation fußte auf der Annahme, dass die Menschheit vor einem unmittelbaren Kollaps stehe – eine Annahme, die sich als übertrieben herausgestellt hat.

Allerdings fand dieser Kurswechsel in den deutschsprachigen Medien nur wenig Widerhall. Außer in der „Welt“, dem „Cicero“ und der „Bild“ wurde kaum über die Rücknahme von RCP8.5 berichtet. Auch die Politik zeigte sich nicht erleichtert. Das liegt nach Ansicht von Beobachtern daran, dass viele Akteure in Medien, NGOs und Politik ihre Karrieren auf diesen Horrorszenarien aufgebaut haben. Sie seien zu „Zeugen Gretas“ geworden – in Anlehnung an die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die mit hysterischen Auftritten und radikalen Forderungen bekannt wurde.

Die Rolle von Greta Thunberg und die ideologische Färbung

Greta Thunberg selbst hatte stets betont, dass sie nur der Wissenschaft folge. Ihre „Fridays for Future“-Bewegung forderte einen sofortigen und radikalen Umbau der Gesellschaft. Doch die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt. Während Thunberg und ihre Anhänger weiterhin auf die düstersten Prognosen verweisen, hat der IPCC selbst die Risiken nach unten korrigiert. Dies führte zu einer Spaltung: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die an den alten Horrorszenarien festhalten, auf der anderen Seite diejenigen, die eine differenziertere Betrachtung fordern.

Die Bezeichnung „Zeugen Gretas“ spielt auf die Zeugen Jehovas an, die ebenfalls mit apokalyptischen Prophezeiungen begannen, die nie eintraten. Heute stehen sie in Fußgängerzonen und wirken oft wie Relikte einer vergangenen Zeit. Die Analogie soll verdeutlichen, dass die radikale Klimabewegung Gefahr läuft, sich selbst zu isolieren, wenn sie nicht bereit ist, ihre Positionen zu aktualisieren.

Internationale Vergleiche: Technische Lösungen statt Radikalumbau

Andere Länder verfolgen einen pragmatischeren Ansatz. Die USA senkten unter Präsident Obama ihre CO₂-Emissionen, indem sie von Kohle auf Gas umstiegen. China strebt bis 2060 eine Energieversorgung an, die zu 80 Prozent aus Erneuerbaren und zu 20 Prozent aus Kernkraft besteht. Beide Länder setzen auf technische Lösungen, ohne die gesamte Wirtschaftsordnung infrage zu stellen. Deutschland und Europa hingegen haben einen Kurs eingeschlagen, der in den Augen vieler Ökonomen Wohlstand vernichtet und Extremisten stärkt.

Die Rücknahme von RCP8.5 ist ein wichtiger Einschnitt. Sie zeigt, dass die Klimaforschung selbstkritisch genug ist, um Modelle zu korrigieren, wenn die Realität anders verläuft. Diese Fähigkeit zur Selbstkorrektur ist eine Stärke der Wissenschaft. Die Politik sollte dieser Entwicklung folgen und ihre Maßnahmen an die neue Erkenntnislage anpassen.

Es bleibt abzuwarten, ob die deutsche Bundesregierung und die EU-Kommission den Mut aufbringen, ihre ehrgeizigen, aber teuren Klimaziele zu überprüfen. Bisher signalisieren sie eher Kontinuität. Die Diskussion um den richtigen Weg wird die politische Landschaft noch lange prägen.


Source: Ruhrbarone News


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