Fifa erwartet 11 Milliarden Dollar Umsatz: Die Fußball-WM 2026 bricht alle Rekorde – und verändert das Geschäft
Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko soll laut Fifa rund 10,9 Milliarden Dollar (rund 9,3 Milliarden Euro) einbringen – etwa 1000-mal mehr als die erste WM 1930. Den größten Anteil der Einnahmen machen TV-Rechte und Sponsoring aus, während Fans die höchsten Ticketpreise der WM-Geschichte zahlen müssen. Durch die Aufstockung auf 48 Teams und 104 Spiele wächst das Turnier wirtschaftlich weiter – trotz enormer Organisationskosten.
Die deutsche Nationalmannschaft war eines der stärksten Teams Europas – verzichtete aber auf die Fußball-Weltmeisterschaft 1930. Die zweiwöchige Anreise per Schiff war schlicht zu aufwendig. Ähnlich ging es den meisten Teams aus Europa – und so waren nur 13 Nationen bei der ersten WM 1930 in Uruguay dabei, die meisten von ihnen aus Lateinamerika. Sie trugen insgesamt 18 Spiele aus, zu denen im Schnitt laut Schätzungen rund 30.000 Zuschauer kamen. Tickets kosteten umgerechnet zwischen 50 Cent und zwei US-Dollar – nach heutigen Preisen zwischen zehn und 40 Dollar. Die Einnahmen aus den verkauften Eintrittskarten, damals die einzig nennenswerten Erlöse, dürften in heutigen Preisen überschlagen zwischen zehn und 20 Millionen Dollar gelegen haben.
Von Millionen zu Milliarden: So stark ist die WM gewachsen
Die Umsätze der 23. Fußball-WM, die am 11. Juni in den USA, Kanada und Mexiko beginnt, werden voraussichtlich etwa 1000 Mal höher liegen: Der Weltfußballverband Fifa rechnet aktuell mit 10,9 Milliarden Dollar (rund 9,3 Milliarden Euro). Damit ist die WM das weltweit lukrativste Sport-Einzelereignis. Die gesamten Einnahmen liegen mehr als doppelt so hoch wie bei den Olympischen Sommerspielen (2024 in Paris wurden rund 4,5 Milliarden Dollar eingenommen). Vergleichbare Geldmaschinen wie die Fußball-WM sind aktuell nur die US-Sportligen, die in den vergangenen Saisons ähnliche Summen umsetzten: Die American-Football-Liga NFL kam laut einer vergleichenden Auswertung für 2023 auf 19,2 Milliarden Dollar, die Baseball-Liga MLB auf 11,6 Milliarden Dollar und die Basketball-Liga NBA auf 10,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Bundesliga setzte in dem Jahr etwa vier Milliarden Dollar um.
Mit 4,3 Milliarden Dollar stammt das Gros des WM-Geldregens aus den weltweiten Übertragungsrechten. Rund 2,8 Milliarden Dollar spült das Sponsoring in die Kassen. Wie viel Fifa-Hauptsponsoren wie Adidas, Coca-Cola, Hyundai-Kia oder der saudische Ölriese Aramco zahlen, ist unbekannt. Schätzungen zufolge lassen sich die Unternehmen die Partnerschaft mit der Fifa zwischen 50 und 100 Millionen Dollar jährlich kosten. Die Einnahmen aus Sponsoring und TV-Rechten sind in den letzten Jahrzehnten exponentiell gestiegen. Während die WM 1998 in Frankreich noch rund 1,4 Milliarden Dollar Umsatz erzielte, hat sich diese Zahl bis 2018 in Russland auf rund 4,6 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. Für 2022 in Katar lag der Umsatz bei etwa 4,7 Milliarden Dollar – nun bricht die Marke von 10 Milliarden Dollar alle Rekorde.
Rekordpreise für Tickets und enorme Kosten
In diesem Jahr sind erstmals 48 statt wie in den vergangenen Jahrzehnten 32 Mannschaften qualifiziert – statt 64 Spiele gibt es nun 104 Spiele zu sehen. Für die höchsten Ticketpreise aller Zeiten. Eine Finalkarte der besten Kategorie kostet aktuell 10.990 Dollar. Selbst günstige Tickets für Vorrundenspiele sind mit Preisen um 300 Dollar für die untere Kategorie deutlich teurer als bei früheren Turnieren. Die Fifa verteidigt die Preisgestaltung mit der hohen Nachfrage und den inflationsbedingten Kostensteigerungen. Doch viele Fans kritisieren die zunehmende Kommerzialisierung und die Verdrängung traditioneller Anhänger durch zahlungskräftiges Publikum.
Die Ausgaben für die Organisation einer Fußball-Weltmeisterschaft sind nur annäherungsweise zu beziffern. Die Fifa selbst spricht für 2026 in einer Analyse von 13,9 Milliarden Euro, rechnet aber auch das Geld ein, das von Touristen in den Gastgeberländern ausgegeben wird. Ohne diese Ausgaben dürften die Kosten deutlich unter zehn Milliarden Dollar liegen, weniger als bei allen Turnieren seit 2014. Die WM 2022 in Katar sprengte dabei jeden Rahmen. Das Emirat gab laut US-Sportfinanzmedium „Front Office Sports“ rund 220 Milliarden Dollar aus. Hier sind aber auch alle Investitionen eingerechnet, die Katar im WM-Kontext in seine Infrastruktur tätigte, darunter neue Stadien, ein U-Bahn-Netz und ganze Stadtviertel. Die Gastgeber 2026 – USA, Kanada und Mexiko – müssen dagegen weniger in neue Stadien investieren, da viele bereits existieren. Dennoch fallen Kosten für Sicherheit, Logistik und die Umgestaltung der Spielstätten an. Die Fifa selbst erwartet für das Turnier einen Gewinn von mehreren Milliarden Dollar, der teilweise in die Entwicklung des Fußballs weltweit fließen soll.
Messi und Ronaldo könnten nochmals auf großer Bühne spielen
Beim Turnier mit den teuersten Karten dürften die Fans zumindest auch die beiden bestbezahlten Spieler der Erde nochmals auf großer Bühne sehen, die sonst wenig beachtet und hoch bezahlt in den Ligen von Saudi-Arabien und den USA spielen: den 40 Jahre alten Cristiano Ronaldo (Jahresgehalt 200 Millionen Dollar plus 60 Millionen Werbeeinnahmen) und den 38 Jahre alten Lionel Messi (60 Millionen plus 70 Millionen Dollar). Beide haben bereits angekündigt, dass die WM 2026 ihre letzte sein könnte. Ihre Präsenz verleiht dem Turnier zusätzlichen Glanz und sichert hohe Einschaltquoten sowie Ticketverkäufe. Laut Fifa sind bereits über 80 Prozent der rund 3,5 Millionen verfügbaren Tickets verkauft – ein neuer Rekord.
Die wirtschaftliche Bedeutung der WM geht über die reinen Fifa-Einnahmen hinaus. Die Gastgeberländer erwarten einen enormen Tourismus-Boom. Allein für die USA prognostizieren Experten Mehreinnahmen von mehr als fünf Milliarden Dollar durch Hotelübernachtungen, Gastronomie und Transport. Auch die Infrastruktur profitiert: In den zwölf Austragungsstädten wurden Flughäfen ausgebaut und Stadien modernisiert. Die WM wirkt zudem als Katalysator für den Fußball in Nordamerika. Die Major League Soccer (MLS) verzeichnet bereits seit Jahren steigende Zuschauerzahlen und könnte nach dem Turnier noch populärer werden. Kanada und Mexiko hoffen ähnlich auf einen Schub für ihre nationalen Ligen.
Kritiker weisen jedoch auf die Schattenseiten des Milliarden-Geschäfts hin. Menschenrechtsorganisationen bemängeln die Arbeitsbedingungen in den Stadien und die Vertreibung von Anwohnern in manchen Gastgeberstädten. Zudem wird die zunehmende Belastung der Spieler durch die Aufstockung des Turniers kritisiert. Der Terminkalender ist bereits jetzt extrem eng, und die WM 2026 wird die Saison für viele Profis noch weiter verlängern. Verletzungsrisiken steigen, und die Erholungszeiten schrumpfen. Die Spielergewerkschaft FIFPro hat bereits Bedenken geäußert und fordert mehr Schutz für die Athleten.
Trotz aller Kontroversen ist die WM 2026 ein Meilenstein in der Geschichte des Fußballs. Sie zeigt, wie sehr sich das Geschäft mit dem runden Leder in knapp 100 Jahren verändert hat: Aus einem bescheidenen Turnier mit 13 Mannschaften und Einnahmen von ein paar Millionen Dollar ist ein globales Spektakel geworden, das Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe generiert. Die Entwicklung spiegelt die wachsende Kommerzialisierung des Sports wider und wird durch digitale Medien, globale Sponsoring-Partnerschaften und eine immer größer werdende Fanbasis vorangetrieben. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Entwicklung nachhaltig ist oder ob der Sport an seine Grenzen stößt. Für 2030 hat die Fifa bereits eine weitere Aufstockung auf 64 Teams ins Gespräch gebracht – und Saudi-Arabien hat sich als Gastgeber für 2034 beworben. Die WM-Reise geht weiter, und die Rekorde werden wohl nicht lange Bestand haben.
Source: Business Insider News