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Joe Biden

May 15, 2026  Twila Rosenbaum  6 views
Joe Biden

Joseph Robinette Biden Jr., besser bekannt als Joe Biden, ist eine der prägendsten Figuren der amerikanischen Politik des 21. Jahrhunderts. Als 46. Präsident der Vereinigten Staaten steht er für Kontinuität, Empathie und diplomatische Erfahrung. Doch sein Weg an die Spitze der Weltmacht war von zahlreichen Herausforderungen und persönlichen Tragödien geprägt, die ihn zu dem Menschen und Politiker formten, der er heute ist.

Kindheit in einfachen Verhältnissen

Joe Biden wurde am 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania, als ältestes von vier Geschwistern geboren. Seine Familie stammte aus bescheidenen Verhältnissen; sein Vater, Joe Biden Sr., arbeitete als Gebrauchtwagenhändler, seine Mutter Jean kümmerte sich um den Haushalt. Schon früh lernte Biden den Wert harter Arbeit kennen: In der Schulzeit verdiente er sich mit Fensterputzen und Rasenmähen sein Taschengeld. Die Familie zog später nach Delaware, wo Biden die Archmere Academy besuchte. Nach dem Schulabschluss studierte er Geschichte und Politikwissenschaft an der University of Delaware, gefolgt von einem Jurastudium an der Syracuse University, das er 1968 mit dem Juris Doctor abschloss. Sein politisches Interesse wurde durch die Amtseinführung von John F. Kennedy geweckt, der für ihn zum Vorbild wurde.

Politische Anfänge und erster Triumph

Nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt begann Biden in den späten 1960er-Jahren, politisch aktiv zu werden. Er trat der Demokratischen Partei bei und stieg schnell auf: 1970 wurde er in den Stadtrat von New Castle County gewählt. Nur zwei Jahre später, 1972, wagte er den Sprung in den US-Senat – gegen den etablierten Amtsinhaber J. Caleb Boggs. Die Wahl galt als aussichtslos, doch Biden gewann überraschend und wurde mit 30 Jahren der fünftjüngste Senator in der Geschichte der USA. Dieser Erfolg war der Beginn einer langen Senatskarriere, die fast 36 Jahre dauern sollte.

Der tragische Unfall und seine Folgen

Doch das Glück währte nur kurz. Am 18. Dezember 1972, nur wenige Wochen nach seinem Wahlsieg, ereignete sich eine Katastrophe: Bidens erste Frau Neilia war mit den drei Kindern Beau, Hunter und Naomi auf dem Weg zum Weihnachtseinkauf, als ihr Auto von einem Sattelschlepper gerammt wurde. Neilia und die kleine Naomi kamen noch am Unfallort ums Leben. Beau und Hunter überlebten schwer verletzt. Joe Biden, am Boden zerstört, legte seinen Amtseid als Senator Anfang 1973 am Krankenbett seiner Söhne ab. Die tiefe Trauer stürzte ihn in eine Glaubenskrise, aus der er sich mühsam wieder herausarbeitete – angetrieben von der Verantwortung für seine beiden Jungen.

Neue Liebe und Familienglück

Es dauerte Jahre, bis Biden sich wieder auf die Zukunft einlassen konnte. Sein Bruder Frank arrangierte ein Blind Date mit Jill Tracy Jacobs, einer Englischlehrerin und späteren Pädagogikprofessorin. Die beiden verliebten sich und heirateten 1977. 1981 kam die gemeinsame Tochter Ashley zur Welt. Jill Biden wurde nicht nur seine Partnerin, sondern auch eine wichtige Stütze in seinem politischen Leben. Die Familie wuchs zusammen, und die Tragödie von 1972 blieb zwar eine lebenslange Narbe, aber sie lernten, damit zu leben.

Gescheiterte Präsidentschaftskandidaturen

Joe Biden strebte wiederholt nach dem höchsten Amt. 1988 bewarb er sich erstmals um die Präsidentschaft, stieg jedoch nach Plagiatsvorwürfen in einer Wahlkampfrede aus. Die zweite Kandidatur 2008 endete ebenfalls vorzeitig, da er im Vorwahlprozess nicht genügend Unterstützung erhielt – obwohl er in Debatten glänzte. Viele Beobachter bescheinigten ihm großes Fachwissen, aber auch eine gewisse Redseligkeit, die ihn angreifbar machte. Diese Rückschläge hinderten ihn nicht daran, weiter für seine Überzeugungen zu kämpfen.

Vizepräsident unter Barack Obama

Als Barack Obama 2008 zum Präsidenten gewählt wurde, holte er Joe Biden als Vizepräsidenten ins Weiße Haus. Gemeinsam bildeten sie eine erfahrene und ergänzende Führungsmannschaft. Biden war für die Umsetzung des Konjunkturpakets nach der Finanzkrise zuständig, engagierte sich in der Außenpolitik (insbesondere im Irak und in Afghanistan) und war vertrauter Berater Obamas. In diesen acht Jahren gewann Biden an Popularität und wurde als bodenständiger, humorvoller und empathischer Politiker wahrgenommen. Er und Obama entwickelten eine enge Freundschaft, die bis heute anhält.

Erneuter Schicksalsschlag: Tod des Sohnes Beau

Das Schicksal schlug 2015 erneut zu: Bidens ältester Sohn Beau, der als Attorney General von Delaware eine vielversprechende politische Karriere vor sich hatte, erlag mit nur 46 Jahren einem Gehirntumor. Der Verlust traf Biden tief. In seiner Autobiografie schreibt er, dass er nur durch den Rückhalt seiner Familie und den Rat seines Vaters („immer wieder aufstehen“) die Kraft fand, weiterzumachen. Viele glaubten, Biden würde sich nach dieser Tragödie aus der Politik zurückziehen. Doch er entschied sich anders.

Der Weg ins Weiße Haus

Im April 2019 kündigte Joe Bidens dritte Kandidatur für die Präsidentschaft an. Er positionierte sich als gemäßigter Kandidat, der die politische Mitte zurückgewinnen könne. In den Vorwahlen setzte er sich gegen eine Reihe progressiver Mitbewerber durch. Bei der Wahl im November 2020 trat er gegen den Amtsinhaber Donald Trump an. In einer historisch hohen Wahlbeteiligung gewann Biden die notwendigen Wahlmännerstimmen und sicherte sich den Sieg. Am 20. Januar 2021 wurde er als 46. Präsident vereidigt – gemeinsam mit seiner Vizepräsidentin Kamala Harris, der ersten Frau und ersten Afroamerikanerin in diesem Amt. Seine Amtseinführung fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem zuvor der Sturm auf das Kapitol die fragile Demokratie erschüttert hatte.

Präsidentschaft und aktuelle Herausforderungen

Als Präsident hat Joe Biden eine Reihe ambitionierter Gesetze verabschiedet, darunter den „Inflation Reduction Act“ zum Klimaschutz, Investitionen in die Infrastruktur und Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft. In der Außenpolitik setzte er auf die Rückkehr zu multilateralen Bündnissen, beendete den Afghanistan-Einsatz und unterstützte die Ukraine im Krieg gegen Russland. Gleichzeitig kämpft er mit innerparteilichen Spannungen und einer polarisierten Gesellschaft. Kritiker werfen ihm ein zu hohes Alter vor, während Unterstützer seine Erfahrung und seine Fähigkeit zur Zusammenarbeit schätzen. Auch privat bleibt Biden nicht von Schicksalsschlägen verschont – zuletzt wurde bei ihm im Jahr 2024 Prostatakrebs diagnostiziert, den er jedoch erfolgreich behandeln ließ. In seinem Amt zeigt er sich unerschütterlich und optimistisch, stets im Bewusstsein, dass das Leben aus Höhen und Tiefen besteht – eine Lektion, die er wie kaum ein anderer verinnerlicht hat.

Joe Biden wird von vielen als „Full-Circle“-Präsident gesehen: Er begann seine Karriere in den 1970er-Jahren und kehrte als Vater der amerikanischen Politik zurück. Sein Lebensweg zeigt, dass Resilienz, Demut und der unerschütterliche Glaube an das Gute im Menschen selbst die größten Hindernisse überwinden können. Er ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass Politik nicht nur Macht, sondern auch Dienst am Nächsten bedeuten kann.


Source: gala.de News


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