Fast leeres Parkhaus: Gratisparken allein reicht nicht
Seit 1. Mai 2025 ist das Parken in der Park-and-Ride-Anlage Fölling im Grazer Norden kostenlos. Eigentlich ein starkes Angebot, um Pendler aus der Umgebung zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Doch der erhoffte Zuspruch bleibt aus. Ein Lokalaugenschein offenbart eine frustrierende Realität: Die Hochgarage, die 2010 um 2,7 Millionen Euro errichtet wurde, steht an einem ganz normalen Werktag nahezu leer. Von den rund 160 Stellplätzen sind nur eine Handvoll belegt. Das Bild der Einsamkeit wird durch die wenigen Autos unterstrichen, die wie verloren auf den weiten Betonflächen parken.
Die Idee der Pendler: Schienenersatzverkehr bis zur Garage
Die geringe Nutzung ist kein Zufall. Die Anlage liegt zwar verkehrsgünstig an der B 375, aber der Umstieg auf die Straßenbahn ist umständlich. Von der Garage muss man einen etwa 800 Meter langen Fußweg zur Haltestelle Fölling der Linie 1 zurücklegen – eine Strecke, die bei schlechtem Wetter oder schwerem Gepäck sehr unattraktiv ist. Genau hier setzen die Rufe der Pendler an: „Warum fährt nicht einfach der Schienenersatzverkehr bis Fölling?“, fragen sich viele, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen müssten. Die Idee klingt einfach: Wenn die Straßenbahnlinie 1 wegen Bauarbeiten durch Busse ersetzt wird, könnten diese Busse doch direkt bis vor die Parkhaustüre fahren. Die Pendler müssten dann nicht mehr den beschwerlichen Fußmarsch auf sich nehmen.
Die beharrliche Ablehnung der Graz Linien
Doch so einfach ist die Umsetzung offenbar nicht. Die Graz Linien verweisen auf mehrere Hürden. Erstens sei die Trasse der Straßenbahn nicht mit Bussen befahrbar, da die Gleise zwischen Haltestelle Fölling und der Garage eine Wendeschleife der Bahn darstellen. Busse könnten dort nur mit erheblichem Aufwand wenden. Zweitens seien die Fahrplanzeiten für den Schienenersatzverkehr exakt auf die Bauarbeiten abgestimmt; eine Verlängerung bis zur Garage würde zusätzliche Fahrzeit bedeuten, die den gesamten Takt durcheinanderbringen könnte. Drittens gebe es rechtliche und genehmigungstechnische Fragen, da die Garage auf einem Grundstück stehe, das nicht zum Liniennetz gehöre. Die Verantwortlichen betonen, dass man die Situation analysiere, aber eine einfache Lösung stehe nicht zur Verfügung.
Ein teures Projekt ohne Nutzen?
Die Geschichte des Parkhauses Fölling ist geprägt von Fehlplanungen und unerfüllten Erwartungen. Die Hochgarage wurde 2010 mit dem Ziel gebaut, den Parkdruck in den Wohngebieten von Mariatrost zu verringern und eine Park-and-Ride-Option für Pendler aus dem Norden von Graz zu schaffen. Damals gab es auch die Idee, eine zusätzliche Haltestelle der Straßenbahn direkt bei der Garage zu errichten, was allerdings aus Kostengründen verworfen wurde. Stattdessen wurde der vorhandene, aber unattraktive Fußweg als ausreichend erachtet. Nach der Fertigstellung blieb die Garage jahrelang ein „Murksprojekt“, wie es Stadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) nannte. Die Auslastung lag jahrelang unter 20 Prozent. Die Stadt Graz versuchte dann im Mai 2025 mit der Gratisparken-Aktion einen neuen Anlauf, aber offenbar ohne durchschlagenden Erfolg.
Die Kosten für die Stadt: Millionen ohne Einnahmen
Durch die kostenlose Parkmöglichkeit entgehen der Stadt nicht nur ursprüngliche Parkgebühren, sondern sie muss auch die Betriebskosten der Garage tragen. Dazu gehören Strom, Reinigung, Wartung und eventuelle Sicherheitsmaßnahmen. Schätzungen aus dem Jahr 2024 gingen von jährlichen Kosten in Höhe von rund 50.000 Euro aus, die nun ohne Gegenwert anfallen. Die 2,7 Millionen Euro Baukosten sind längst abgeschrieben, doch der Wert der Anlage bleibt ein Prestigeprojekt, das keiner nutzt. Die Opposition im Grazer Gemeinderat fordert daher seit Jahren entweder eine massive Attraktivierung der Anbindung oder sogar die Schließung der Garage.
Die größere Bedeutung: Park-and-Ride in Graz
Der Fall Fölling steht stellvertretend für die Herausforderungen von Park-and-Ride-Konzepten in einer wachsenden Stadt. Graz hat in den letzten Jahren mehrere große Park-and-Ride-Anlagen errichtet, insbesondere an den Hauptverkehrsachsen: im Süden bei Webling, im Osten an der Liebenauer Tangente und im Osten beim Messegelände. Während die Anlagen an den Endhaltestellen der Straßenbahnlinien 4, 5 und 6 stark frequentiert sind, bleiben die dezentralen Standorte wie Fölling untergenutzt. Der Grund liegt in der direkten Anbindung: Wer in Webling parkt, steigt direkt in die Bim um und ist in zehn Minuten in der Innenstadt. In Fölling dagegen muss man nach dem Parken noch 15 Minuten zu Fuß zur Haltestelle gehen und dann 20 Minuten mit der Straßenbahn fahren – insgesamt länger als die direkte Autofahrt in die Stadt. Solange die letzte Meile nicht attraktiv gestaltet wird, wird das Konzept nicht aufgehen.
Die Stimmen der Pendler: Frustration und Resignation
Vor dem Parkhaus, das an diesem Vormittag fast menschenleer wirkt, treffen wir einen Pendler, der gerade aus seinem Auto aussteigt. „Ich bin heute das erste Mal hergekommen, weil ich gehört habe, dass es gratis ist“, sagt der 34-jährige Bankangestellte. „Aber nachdem ich gesehen habe, wie weit die Haltestelle weg ist, bin ich doch lieber mit dem Auto weiter in die Stadt gefahren. Das lohnt sich einfach nicht.“ Andere Pendler, die auf dem Weg zur Garage vorbeikommen, äußern ähnliche Gefühle. „Ich habe schon vor Jahren vorgeschlagen, dass man einen kleinen Shuttle-Bus von der Garage zur Haltestelle einsetzt“, meint eine 45-jährige Lehrerin. „Aber die Stadt hat nicht reagiert. Jetzt ist es gratis, aber deswegen parke ich dort trotzdem nicht. Der Zeitverlust ist es mir nicht wert.“
Die Suche nach Lösungen: Was könnte funktionieren?
Experten für Verkehrsplanung nennen mehrere erfolgversprechende Ansätze für eine Belebung des Standorts. Eine Möglichkeit wäre die Etablierung einer regelmäßigen Buslinie, die die Garage direkt an die Straßenbahnhaltestelle anbindet. Dies könnte als Zubringer oder sogar als Verlängerung einer bestehenden Buslinie realisiert werden. Zudem könnte eine bessere Beschilderung und Wegweisung den Autofahrern den Standort ins Bewusstsein rufen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass eine dauerhafte Busanbindung Kosten verursache, die in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden, solange die Garage so wenige Nutzer habe. Eine weitere Idee ist die Verlegung der Straßenbahnhaltestelle näher zur Garage – ein Projekt, das schon 2010 erwogen, aber wegen der hohen Kosten von rund einer Million Euro verworfen wurde. Die aktuellen Planungen seitens der Stadt Graz sehen immerhin vor, die Verkehrssituation im gesamten Bereich Mariatrost zu überprüfen, was möglicherweise zu einer Neuausrichtung führt.
Die Zukunft des Standorts: Hoffnung auf Besserung
Die Grazer Stadtregierung, die im Herbst 2025 eine Gemeinderatswahl vor sich hat, ist bemüht, den Missstand zu beheben. Die zuständige Stadträtin Judith Schwentner (Grüne) kündigte an, dass die Verwaltung konkrete Vorschläge erarbeiten solle, wie die Anbindung verbessert werden könne. Man wolle auch mit den Graz Linien über eine mögliche Verlängerung von Schienenersatzverkehren während der Sommerbaustellen verhandeln. Bis dahin bleiben die meisten Parkplätze leer, und die 2,7 Millionen Euro teure Garage wirkt wie ein Mahnmal verfehlter Stadtplanung. Während andere Städte wie Wien oder München erfolgreiche Park-and-Ride-Konzepte betreiben, zeigt das Beispiel Graz, wie wichtig es ist, die Schnittstelle zwischen Auto und öffentlichem Verkehr wirklich zu durchdenken – nicht nur mit dem Bau einer Garage, sondern mit dem entscheidenden letzten Schritt zur Haltestelle.
Source: Kleinezeitung News